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Freitag, 20. Juli 2018  
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Originale "gibt es eben nur auf Vinyl"

Totgesagte leben länger, sagt man. Wenn es um die Schallplatte geht, mag das stimmen: Immer wieder als Verlierer im Krieg gegen CD und MP3 bew

eint, erlebt sie heute eine Renaissance. Nadine Eckermann sprach mit Jägern und Sammlern des "schwarzen Goldes".

Herrlich unaufgeregt zieht Rainer Bertram rechts unten eine Schallplatte aus dem Regal: "Das ist die erste James Brown", sagt er - halb schüchtern, halb stolz und scheinbar zu sich selbst. Wenn er über seine "Schätze aus schwarzem Gold" spricht, scheint es, als würde er jede Rille persönlich kennen. Dabei schaffe er gar nicht mehr, alles intensiv anzuhören.


Kein Wunder, bei der Menge an Tonträgern, die sich bei ihm geordnet in Regalen in einem eigenen Zimmer, auf dem Fußboden, im Keller und in Kisten stapeln. Dennoch, sagt er, kaufe er nichts nur um der Sammlung Willen. Bei James Brown beispielsweise ist 1985 nach 65 Platten Schluss - danach gefalle Bertram die Musik nicht mehr, also komme ihm auch die Platte nicht mehr ins Haus.

Verramschen gibt's nicht

Vinyl habe für ihn nicht per se einen Hoheitsanspruch. Gute Musik kaufe er ebenso auf CD, etwa Neuerscheinungen, dann gern als limitierte Edition oder mit Bonusmaterial. Altes hingegen braucht für ihn den "Nostalgiefaktor". "An vielen Platten hängen einfach Erinnerungen", erzählt der 43-Jährige. Zwar habe er schon jahrelang nicht mehr Frank Zappa, Genesis oder Jethro Tull gehört, womit 1978 alles angefangen habe, doch die Platten "zu verramschen" sei für ihn auch nicht drin.


"Ich bin ein Kind der 1980er", beschreibt Bertram, der mehr als 15 Jahre in der Duderstädter Musikwerkstatt aufgelegt hat, seinen Musikgeschmack. Zu Funk und Soul habe er durch Amerikaner, die er bei der Bundeswehr kennengelernt habe, einen Zugang gefunden. "Wir haben öfter zusammen gefeiert, und die US-Soldaten haben zu Cameo und Chaka Khan gerappt." Das gefiel - und aus Gefallen wurde schon bald eine Leidenschaft. Zum Einkaufen ging es nach Hannover und in der Mittagspause zu "Montanus". Entstanden ist daraus eine mehrere tausend Stück um fassende Tonträger-Sammlung. "Inzwischen finde ich in Plattenläden und auf Börsen schon fast nichts mehr, was ich suche", sagt Bertram, denn so spezielle Schätze seien eben rar gesät. Hinzu kommen die CDs, die Bertram benötigt, wenn er arbeitet. Als DJ Rainer B. heizt er bei Privatfeiern ein. Dann spielt er auch Songs aus den Charts und Musik, die er privat nicht hört. "Damit bleibe ich gleichzeitig immer auf dem neuesten Stand."


Obwohl Neuerungen gegenüber absolut offen und bekennender Internet-Shopper würde sich Bertram nie allein auf das Herunterladen und Abspielen von MP3s verlassen. "Ein Sammler sucht halt immer das Besondere", begründet er, und das sei bei "beliebigen" Daten aus dem Netz nicht gegeben. So findet Betram auch besonderes Gefallen an aufwändiger Covergestaltung - bei LPs wie auch CDs - und Sondereditionen. Da sieht man auf einem Cover schon einmal Buddy Holly ohne Brille oder es singen die Surpremes auf Deutsch: "Solche Sachen wurden zeitweise eingestampft oder verramscht", weiß er über die Single, die heute wieder gesucht ist. Da müssten es schon die Originalpressungen sein - "und die gibt es eben nur auf Vinyl."


 
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